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Sports?!

Bevor ich euch noch länger warten lasse gibt’s jetzt noch mal ein paar News von mir. Konnte mich leider nicht früher melden, da ich die letzten drei Wochen sehr beschäftigt war. Wie bereits erwähnt war am Samstag vor drei Wochen Sport pur angesagt.

Mittags um ein Uhr hatte Coach Steve und Coach Frank die „Funky Chunky Elastic Monkeys“ zum Soccer Training eingeladen. Das Team besteht aus Mädchen im Alter zwischen 13 und 14 Jahren. Sehr interessant ist, dass das Trainergespann mit mir durch eine weitere Nation ergänzt wurde. Steve ist Engländer, Frank stammt aus Südamerika und meine Wenigkeit bekanntlich aus Deutschland. Interessant ist auch, dass ich meinen Jungs im Fußballtraining in Deutschland immer gepredigt habe, dass sie auf dem Spielfeld miteinander kommunizieren müssen. Diese Fähigkeit haben die Mädels von Soccer Team hier bereits perfektioniert und ich bin mir manchmal nicht sicher ob sie vom Rennen oder vom Quasseln außer Puste sind.

Nachdem das Fußballtraining mittags beendet war ging es dann auch gleich zum Football, welches interessanterweise größtenteils mit der Hand gespielt wird. Nun gut, andere Länder andere Sitten. In dem Footballspiel stand sich das Highschool Team von meinem Gastbruder Jon und dem Team aus Naperville North gegenüber. Die 2000 Zuschauer verfolgten ein Spiel bei dem, glaube ich und auch viele Amerikaner nach 10 Jahren immer noch nicht alle Regeln kennen und das von vielen Unterbrechungen geprägt ist.

Allerdings habe ich erstmals erklärt bekommen, warum Amerikaner keinen Fußball mögen und solche Unterbrechungen gar nicht schlimm sind. Ein Fußballspiel dauert nämlich nur 90 Minuten. Mit lediglich nur einer kurzen Pause. Da bleibt einfach nicht genug Zeit um sich regelmäßig mit Essen und Getränken zu versorgen. Wieder was über die amerikanische Mentalität gelernt. Das wichtigste am Sport ist das Essen und Trinken.

Später am Abend habe ich dann allerdings auch zu spüren bekommen, dass eine 15 minütige Halbzeitpause eines Fußballspiels nicht ausreicht um sich mit einem Hot Dog und einer Cola zu versorgen. Samstags abends habe ich nämlich meine Gastschwester Jackie und ihre Freundin zum Fußballspiel von Chicago Fire gegen die Kansas City Wizzards ausgeführt. Für mich hieß dies endlich wieder Stadionluft schnuppern und Erstligafußball bewundern. Im mit 18.000 Zuschauern besetzten nigelnagel neuen TOYOTA-Park war allerdings wenig Erstliga Atmosphäre zu verspüren. Was ich und die restlichen 17.999 Zuschauer zu sehen bekamen war Fußball, der in Deutschland allenfalls Regionalliganiveau hätte. So endete die Partie auch durch zwei Zufallstreffer mit 2:0 für Chicago. Zu bemerken bleibt noch, dass im Stadion alle Durchsagen sowohl auf englisch als auch auf Spanisch durchgegeben wurden. Da sowohl die beiden Teams als auch das Publikum zu über 50% aus hier lebenden Mexikanern bestanden. Amis interessieren sich halt nicht für Soccer. Um aber noch einmal auf die Halbzeit des Spiel zurück zu kommen. Aus den deutschen Stadien bin ich es gewöhnt, das sich an den Rostwurstbuden immer hunderte Menschen schubsen, stubsen und drängeln um an die Quelle zu gelangen und dann geht’s: Wurstweck in die Hand, vorgezapftes Bier daneben gestellt schnell 5 Euro hingelegt und schnell wieder weg. Nich so in Amerika. In den USA stellt man sich nämlich fein säuberlich in die Schlange, wartet ca. 20 Minuten, bis die 5 Personen vor einem bedient wurden um an die Reihe zu kommen und dann geht’s so: bestellen, warten bis die Bestellung in die Kasse eingetippt wurde, warten bis der Hot Dog vom anderen Ende des Tresens geholt wurde, warten bis die Cola vom wieder ganz anderen Ende des Tresens gezapft wurde, bezahlen, warten bis Bezahlung in die Kasse eingegeben wurde, warten bis Kasse das Wechselgeld ausgerechnet hat, Wechselgeld entgegen nehmen und dann nach 25 Minuten Wartezeit endlich in sein Watteweiches Hot Dog Brötchen zu beißen. Wie liebe ich doch die Ellenbogen and den deutschen Rostwurstbuden!

Ich komme mir hier vor wie im Film „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Hat sich in Deutschland schon mal jemand beschwert, dass man an der Kasse im Aldi zu schnell fertig ist? Kriechen Deutsche mit 90 km/h über schnurgerade Autobahnen? Hier geht alles etwas langsamer!



Got a job!

Nach meinem Sport-Wochenende stand dann Donnerstags mein erstes und auch letztes Vorstellungsgespräch auf dem Programm. Bereits von Deutschland aus hatte ich mich bei der „HDI-Gerling America Insurance Company“ um eine Praktikumsstelle ab Januar 2008 beworben.

Noch bevor ich hier in Naperville richtig ankommen und mich einleben konnte hatte ich dann auch schon eine Email von einer Mitarbeiterin des Versicherungskonzerns erhalten. Nach kurzem Emailkontakt war dann am Donnertsag den 30.08.07 um vier Uhr mittags mein Jobinterview angesagt. Also machte mich an diesem besagten Donnerstag auf den Weg nach Chicago. Denn die Büros des HDI-Gerling Konzerns befinden sich nämlich mitten im Herzen von Downtown Chicago.

Seit ziemlich genau einem Monat dann noch mal in Anzug und Krawatte in den Aufzug, Knopf 29 gedrückt und in die Höhe geschossen. Im 29. Stock des 150 North Wacker Drive Building angekommen war ich erst mal sprachlos von der genialen Aussicht die man aus allen Büros von dort oben genießen kann. Die liebe Sparkasse in meiner Heimat in allen Ehren, aber in punkto Aussicht kann sie leider nicht mithalten.

Nach einem sehr netten Gespräch mit meinem zukünftigen Chef hatte ich die dann Zusage ab Januar eine Job zu haben.  Nach einem kurzen Rundgang durch alle Büros konnte ich mich um fünf Uhr wieder auf den Heimweg machen.

Gutes Gefühl!

Roadtrip to the Eastcoast

Nachdem mein Donnerstag so erfolgreich verlaufen war und für den kommenden Montag eine Feiertag angesagt war, entschloss ich mich kurzfristig Marco in Atlanta, Georgia zu besuchen.

Damit ich nicht ganz alleine bin, war Robin so nett und hat sich meinem Vorhaben angeschlossen. Donnerstags abends um elf Uhr ging es dann von Skokie im Norden von Chicago auf in Richtung Süden. Was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz bewusst war, dass dieser Roadtrip kilometermäßig mit der Stecke Hamburg – Mailand vergleichbar war. Nichtsdestotrotz kamen wir nach ca. 1300 Kilometern und rund 17 Stunden Fahrt durch 6 verschiedene Bundesstaaten am Freitag Mittag um 4 Uhr bei Marco in Atlanta an.

Auch wenn das die stressigste Autofahrt in meinem noch jungen Autofahrerleben war muss bin ich echt froh, das ich diese Strapazen auf mich genommen habe. Denn die Landschaft in Kentucky, Tennesee, Alabama und Georgia entlohnt das alles.

Allerdings war die Ankunft in Atlanta keineswegs das Ende unseres Roadtrips, denn der endete wie die Überschrift schon sagt erst an der Ostküste der USA. In Atlanta hieß es dann umpacken und mit Marcos’ Auto weiter in das um weitere 400 Kilometer entfernte Savannah.

Am Freitag Abend um 23 Uhr, nach fast 24 Stunden Autofahrt waren wir dann endlich am Ziel unserer Reise angelangt. Und nach einer kurzen Dusche im kurz zuvor gemieteten Hotelzimmer machten wir drei uns dann auf den Weg das Nachtleben von Savannah zu erkunden.

Am nächsten Morgen war dann früh aufstehen angesagt, da wir um 11 Uhr aus unserem Hotel auschecken mussten. Robin, Marco und ich fuhren dann weitere 15 Kilometer nach Tybee Island, einer Halbinsel an der Küste von Georgia die eigentlich nur durch eine schmale Straße mit dem Festland verbunden ist. Mittags ging es dann für uns drei an den Strand von Tybee. Bei starker Bewölkung und ab und zu leichtem Regen hielt sich die Sonnenbrandgefahr in Grenzen und es war trotzdem fast 30 Grad warm an diesem Tag.

Abends hieß es dann wieder Nachtleben erkunden. Was im Angesicht der auf Tybee Island wesentlich liberaleren Gesetzgebung auch deutlich mehr Spaß gemacht hat als den Abend zuvor in Savannah. Auch Leute kennen lernen ist auf Tybee deutlich einfacher als sonst wo in den USA. Beim Pizzaessen haben wir den Inselbewohner Ben kennen gelernt, der uns kurzerhand in die günstigste Kneipe der Stadt gebracht und dann auch noch in die Kunst des Austeressens eingeführt hat.
Nach einer für amerikanische Verhältnisse sehr langen Nacht endete diese um vier Uhr morgens in unseren Hotelbetten.

Da für Sonntag Abend die Rückreise nach Chicago auf dem Programm stand ging es dann auch zeitig auf den Weg nach Atlanta. Dort wollte ich dann wie Freitags mit einer örtlichen Werkstatt vereinbart mein Auto wieder abholen, da ich am Freitag Probleme mit den Bremsen hatte. An der besagten Werkstatt angekommen war von meinem Auto allerdings weit und breit keine Spur und da Sonntags und auch am drauf folgenden Feiertag am Montag dort niemand zu erreichen war, mussten Robin und ich unser Wochenende zwangsläufig verlängern.

So richtig geschockt wurden wir dann allerdings erst am Dienstag morgen, als wir erfuhren, dass an meinem Auto noch nichts repariert war und die benötigte Reparatur über 1.000 Dollar hätte kosten sollen. Gott sei dank hatte Marco über seine Gastmutter Connections zu einem fairen Automechaniker, der uns dann meine Auto bis Dienstag Abend für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises reparieren konnte.

Um die lange Heimreise ganz kurz zu fassen: nach 14 Stunden Heimfahrt nach Chicago, Ankunft in Naperville um 7:00 Uhr morgens war dann Mittags um 12 Uhr auch schon wieder College angesagt.

Alles in Allem ein schöner, anstrengender und unvergesslicher Trip!

Gegenbesuch

Nach diesem sehr anstrengenden Wochenende stand dann der Gegenbesuch von Marco aus Atlanta bei mir in Naperville auf dem Programm.

Samstags morgens hatte ich allerdings erst einmal Premiere als Co-Trainer an der Seitenlinie beim Spiel der „FCEM“ in Wheatland. Das Spiel wurde ohne einen einzigen Torschuss zu kassieren, souverän mit 4:0 gewonnen.

Danach hieß es für mich, Andi aus Wisconsin zu empfangen und zusammen mit ihm, dann Marco am Midway Airport abholen. Zu dritt ging es dann direkt weiter in die City von Chicago. Nach Millennium Park, Sears Tower und Navy Pier haben wir uns mit meiner Gastmutter Ruth getroffen um gemeinsam zu lunchen. In „Dick’s Last Resort“ haben wir dann beigebracht bekommen wie man sich in den Restaurants und Bars in Chicago zu verhalten hat. „Bitte“ und „Danke“ sind dort nämlich Fremdwörter. Servietten fliegen schon mal auf den Nachbartisch, ein Bäuerchen nach dem Essen ist erwünschenswert und freundliche Bedienungen Fehlanzeige. Nichtsdestotrotz kann man das Restaurant mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Vor allem meinem leiben Bruderherz hätte es wohl kaum Probleme bereitet die dort herrschende Hausordnung und die erwünschten Tischmanieren einzuhalten.

Abends war für Andi, Marco, Katja und mich Naperville angesagt. Zum ersten Mal ging ich also in Naperville einen Trinken. Was sich hinsichtlich der Tatsache, das Andi noch keine 21 Jahre alt ist, allerdings als etwas kompliziert herausstellen sollte. Nachdem wir dann auf Grund dieser Tatsache aus der ersten Bar verbannt wurden, haben wir nach kurzer Suche dennoch eine Mexikanische Bar gefunden, welche die hiesigen Gesetze nicht ganz so streng auslegt.
Letztendlich wurde der Abend dann zur in den USA üblichen Sperrstunde schon frühzeitig um 2:00 Uhr beendet.

Sonntags war dann wieder der Fußball dran. Und diesmal in einem richtig großen Stadion und diesmal richtig guter Fußball. Das Nationalteam von den USA und Brasilien standen sich in einem sehr munteren Freundschaftsspiel gegenüber, welches die Jungs vom Zuckerhut mit 4:2 für sich entscheiden konnten. Stimmungstechnisch war das Ganze zwar eher Mau, dafür wurde einem Fußball geboten, den der Betze in diesem Jahrtausend noch nicht gesehen hat.

Das war dann auch schon wieder von diesem ereignisreiche Wochenende.

Sports again

Nach dem Wochenende mit Marco und Andi und dem sehenswerten U.S. Fußball beim Länderspiel der US-Boys gegen die Jungs vom Zuckerhut, beschloss ich kurzerhand meine eigenen Fußballschuhe noch mal zu schnüren. Dienstags nahm ich nämlich, nach einem ärztlichen Check, am Soccer Training meiner Collegemannschaft teil. Wohl das erste und letzte Mal. Diese Jungs sind echt fit. Keine Wunder bei 5 Trainings und einem Spiel pro Woche. Das Training hat mich dann wieder daran erinnert, warum ich Schiedsrichter geworden bin. Mein Talent beim Fußball ist eben nicht gerade am Ball.

Vom europäischen Fußball ging es dann am Freitag wieder zum American Football. Denn am Freitag hatte das Geburtstagskind Jackie all ihre Freundinnen zum Footballspiel der High School Mannschaft von ihrem Bruder John eingeladen. Da für das Derby gegen die Nachbarschule ein so hohes Zuschaueraufkommen erwartet wurde, wurde das Spiel im größeren Stadion mitten in Naperville ausgetragen. Im Nachhinein stellte sich dann auch heraus, dass das eine gute Entscheidung war. Vor ca. 10.ooo bis 12.ooo Augenpaaren ging das Spiel für John’s Team leider verloren.

Was mir dieses Spiel allerdings wieder gezeigt hat ist, dass das Football die meisten Zuschauer - falls man die überhaupt als solche bezeichnen kann - nur perifär tangiert. Während ich es bei meinen Besuchen auf dem Betze kaum wage während des Spiels die Toilette aufzusuchen, hatte ich bei dem Football Spiel den Eindruck, dass sich das Publikum mehr bewegt als die Akteure auf dem Spielfeld.

Ähnliches war Dienstags beim Major League Baseball Spiel der Chicago Cubs im heimischen Wrigley Field gegen die Cincinatti Reds zu verfolgen. Baseball ist auch so eine Sportart bei der man nach dem Spiel als Zuschauer eher eine Dusche verdient hat als die Spieler.