Fotos

Fotos vom Road Trip sind online.

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Besuch aus Deutschland II.

Gastbericht Eltern:

Wo fange ich nur an? Am besten da, wo ich jetzt bin!

Status quo:

Wir sind gerade mal wieder 12 Stunden zu Hause und ich kann nicht schlafen. Ich glaube, es ist weniger der Jet-Lag als eher das posttraumatische Nachbeben eines erlebten Abenteuers. Also habe ich gerade eben zur Aufarbeitung des ganzen den mittlerweile eingestellten Gastbericht Dominiks gelesen. Hey Dominik, ich glaube, Du weißt, wovon ich rede. Du hast Deine Eindrücke so treffend zusammengefasst, dass ich mir das Schreiben ersparen könnte. Volker und ich können alles genau so bestätigen. Trotzdem muss das jetzt alles raus und zu Papier gebracht werden – so etwas soll in solchen Situationen helfen.

Arrival:

Schon das allerbeste zum Anfang: JONAS holt uns vom O’Hare ab und es ist so schön, ihn nach der langen Zeit wieder zu sehen. Die modernen Kommunikationsmedien lassen heute Entfernungen schrumpfen, aber ihn wieder zu umarmen und ihn zu erleben ist durch nichts zu ersetzen!

Hospitality:

Auch wir waren aufgeregt, aber Jonas war ja bei uns und die herzliche Aufnahme bei den Jeambey’s ließ uns schnell warm werden. Ihre Gastfreundschaft und Unkompliziertheit sucht ihresgleichen und wir sind froh und dankbar, Jonas so gut aufgehoben zu wissen. Wir gehörten von Anfang an wie selbstverständlich mit dazu. Es ist uns eher schwer gefallen, uns entsprechend zu verhalten, z. B. das Frühstück selbst zu machen usw. Ruth war keine Fahrt mit uns zuviel. Sie hat sehr offen über Politik (!), ihre Familie, ihre Gesundheit, ihren Alltag, ihre Zukunftspläne geredet und ihre Lebenseinstellung hat mir sehr imponiert. Sie wohnen in einer der exklusivsten „Familienvorstädte“ Amerikas, aber ihre Ansichten sind nicht abgehoben und elitär. Womit sie sich wahrscheinlich doch sehr von ihrer Umgebung abheben. Sohn Ross kommt z. B. dieses Wochenende nach einem mehrjährigen Peace-Corps-Einsatz auf den Philippinen nach Hause. Die ganze Familie hatte ihn besucht, dort unter einfachsten Bedingungen mitgewohnt, damit Little-Jon und Jackey hautnah erleben, dass Naperville und die Staaten nicht der Nabel der Welt sind.

Originell und nachahmenswert für uns fand ich auch, dass die Kinder alle Teile ihres Heimatlandes kennen lernen sollen. Von den 50 Bundesstaaten fehlen nur noch fünf. Und danach kommen sie zum Gegenbesuch ins alte Europa! Welcome !


Sightseeing Chicago:

Die ersten Tage unternahmen wir mit Ruth einen „Seadog-Ride“ vom Navy-Pier. Schon beim Landeanflug war der Anblick auf die Skyline Chicagos grandios. Die kurze Bootsfahrt auf dem Michigan-See mit Gesamtanblick und dann auf dem Michigan-River hinein in die City war überwältigend. Es kam mir vor, als würden wir durch die Adern ins Herz der Stadt hineinfahren. Wolkenkratzer auf Fotos oder im Fernsehen zu sehen ist eines, sie als Winzling hautnah vor sich zu haben ist gigantisch. Chicago hebt sich von allen andern Großstädten der Welt durch seine einzigartige Architektur ab. Nach dem Großbrand von 1871 haben hier viele Stararchitekten Gebäude geplant, die nicht nur durch die Größe sondern auch ästhetisch beeindrucken.

Shopping stand bei uns natürlich auch auf dem Programm. Das war dann aber eher der lästigere Teil. Die Rieseneinkaufszentren – Irrgärten und um ein Vielfaches größer als unser Saarparkcenter –, unsere Rieseneinkaufslisten und die immer ganz knapp bemessene Zeit ließen das ganze doch eher zu einer nervigen Sache für uns ausarten. Das war dann aber auch der einzige (hausgemachte) Wehrmutstropfen während des ganzen Aufenthalts.

On the road / Goshen:

Gleich freitags nach Jonas Dienstende haben wir uns zusammen mit „Miss Sophie“ auf unsere Rundreise um den Lake Michigan gemacht. Sophie ist übrigens eine echte Rarität, ein alter dunkelgrüner Chrysler, Fifth Avenue, Al-Capone-Stil, mit weichen Polstersesseln. Am liebsten hätten wir sie adoptiert …

Die Partnerstadt Bexbachs haben wir gerade noch in der Dämmerung erlebt. Sie wirkt sehr gemütlich und es war schade, dass wir nicht mehr Zeit dafür hatten. Dennoch hat sich der Umweg über Indiana gelohnt. Die komplette Johnson-Familie erwartete uns bei unserem Blitzabstecher. Das herzliche Willkommen und die Vertrautheit – obwohl wir ja eigentlich nur Oma Janet und Opa Richard persönlich kannten – haben uns sehr berührt. Alle waren sie da: Janet und Richard, Lisa und Craig, Stephanie und Grandma Lucy, Philipp war aus Indianapolis angereist und schließlich lernten wir auch noch Hund Baxter kennen. Es gab viel zu bereden und zu lachen. Richards Erzählungen über seine Deutschlandreise zeigten uns unser Land aus einer witzigen anderen Perspektive. (So wie es uns vielleicht mit Jeambeys beim Essen in Dick’s Last Resort ergangen ist.)

Die Herzlichkeit der Johnson’s wirkt immer noch nach. Es gibt so viele Berührungspunkte und Nähe auch ohne viele Worte. Ein schönes Gefühl. Was Städte-Partnerschaften doch bewirken können. Dafür sind wir – nicht zuletzt auch Gaby Botts - sehr dankbar.

Arround Lake Michigan / 3 states in 3 days:

Um keine Zeit zu verlieren, ging es noch in der Nacht bei Regen, Blitz und Donner weiter Richtung See. Erst um 1.30 a. m. fanden wir ein Hotel – armer Jonas. Super clean – Super friendly – SUPER 8 sollte für die nächsten Nächte unsere Hotelkette sein. Für eine Übernachtung in einem Motel à la „Psycho“ konnte sich Jonas leider nicht begeistern.

Der nächste Tag begann, dem Ausflugsziel angemessen, mit strahlendem Sonnenschein. Die Warren Dunes, eine riesige Dünenlandschaft am Südostufer des Michigansees, luden zum Erkunden ein. Zum Baden im See, der eigentlich ein Meer ist, war uns das Wasser etwas zu kühl. Hier und an allen anderen folgenden Stationen unserer Rundreise hätten wir gerne noch mehr Zeit verbracht.

An diesem Tag haben wir (=Jonas) es bis zur Nordspitze des Sees geschafft und einige schöne Orte an der oberen Küstenstraße entlang, wie Petoskey Harbour, entdeckt. Am Abend überquerten wir die imposante Mackinac-Brücke. Mit einer Gesamtlänge von 2.626 m überspannt sie die Verbindung zwischen Lake Michigan und Lake Huron. Unser Superhotel bot einen Superblick auf dieses technische Meisterwerk.

3 lakes in 1 day:

Sonntags ging es zuerst am nördlichen Ufer des Michigansees entlang und dann durch den abenteuerlichen Hiawatha National Forest gen Norden nach Munising am Lake Superior. Dieser Weg und dann zurück auf der H01 gen Süden durch unberührte weite Natur – teils auf nicht asphaltierter Straße – war eine der schönsten Etappen. Uns ist oft meilenweit kein Auto begegnet, die Stille an einsamen Seen war beeindruckend, manchmal stand ein Reh vor uns auf der Fahrbahn und ein Waschbär (oder so was ähnliches) kletterte auf einen Baum. Welche Gegensätze zu den Erfahrungen der ersten Tage.

Auf der Weiterfahrt das Westufer des Sees hinunter durch Wisconsin führte ein Abstecher über Green Bay zum Erholungsgebiet Sturgeon Bay. Noch in der Nacht ging es über Milwaukee hinaus wieder zurück in die Zivilisation. Übernachtung im Ramada in Racine. Die Tagesmeilen eine Meisterleistung von Jonas.

Land der Gegensätze: Zurück ging es über Gurnee-Mills-Outlet und das DuPage College wieder nach Naperville.

Downtown Chicago:

Wie bei Leo und Dominik haben wir am Regentag den Museums-Campus mit dem beeindruckenden Shedd-Aquarium besucht und im Field-Museum SUE, dem größten kompletten Tyrannosaurus-Rex-Skelett der Welt ‚Hello’ gesagt. Ameritech Plaza, Chicago Bean und Buckingham-Foutain lagen im Millennium Park auf dem Weg.

Nervender war eher das Shoppen auf der Magnificent Mile (siehe oben), dennoch wegen des sehr günstigen Wechselkurses und des Angebotes ein Muss. Unser geplanter Besuch im Chicago Board of Trade, dem wichtigsten Getreidemarkt der Welt, endete schon am Empfang: Leider kein Visitorzugang mehr für Leute wie unsereins.

Während die Wolkenkratzer ihrem Namen alle Ehre machten und ihre Gipfel wegen der Wetterlage zum Teil in Nebel gehüllt waren, wechselte das Wetter einen Tag vor Abreise schlagartig zu schwül tropischer Temperatur. So zeigte sich „Big John“ von seiner besten Seite. Ein Besuch auf dem Hancock Tower gewährte bei strahlend blauem Himmel einen überwältigenden Anblick von oben über Stadt und Umgebung. Nach einer Aufzugsfahrt im schnellsten Lift Amerikas (32 km/h) haben wir in der Lounge bei köstlichem Kuchen innehalten und den Augenblick genießen können. Geheimtipp für die Mädels: Die Damentoilette hat die schönste Aussicht der Welt!

Nightlife in Chicago:

Jeder Tag unsere Reise hatte neben vielen Höhepunkten eine Krönung des Tages. Waren es zu Beginn eher die Gastfamilien, so war es in der letzten Woche das Abendprogramm.

Gleich zu Beginn hat sich mein größter Wunsch erfüllt: Wir waren im „Buddy Guy’s Legends“-Bluesclub. Unspektakuläre Gegend, unscheinbares Äußeres, innen klein und heimelig – das Essen, die Musik und die Stimmung super. Hier haben Musikikonen mit Wurzeln im Blues wie Clapton oder Sting gespielt. An diesem Abend bot Mike Coolman Blues vom Feinsten. Und von unserem Reiseführer Jonas perfekt geplant die Überraschung der Abends: Der fünfmalige Grammy-Preisgewinner Buddy Guy persönlich auf der Bühne. Dieser Mensch ist ein Original, Blues schlechthin. Musik mit einer Leichtigkeit vorgetragen, ohne aufgesetzte, ablenkende Performance, voller Humor und augenzwinkernd auf sein Alter anspielend … So soll es sein!

Blue-Man-Group im Briar Street Theatre am nächsten Abend war der abenteuerliche Gegenpol unseres Programms. Viel Spaß gehabt bei dieser kultigen Veranstaltung, die uns schon lange interessiert hat.

Und für den letzten Abend hatte Jonas Karten für ein White-Sox-Baseball-Spiel im Cellular Field organisiert. Die Kansas City Royals hatten ebenso wenig Chancen, das Spiel zu gewinnen, wie ich, die Spielregeln von Baseball zu verstehen. Man muss wohl damit aufgewachsen sein. Auf jeden Fall war die Stimmung unter den anderen 25.191 Besuchern groß und wie Jonas schon vorher erklärt hatte, das ganze Drumherum mindestens genau so wichtig wie das Spiel. Ein Rätsel wird mir allerdings bleiben, warum sich so viele Hunde für Baseball interessieren.

About Burger und Burritos:

Auch hier gibt es beides: Fastfood und excellente Küche. Ruth’s Sandwiches waren köstlich und Jon’s Pfannkuchen oder Avocadocreme (Guakamoli?) hervorragend. Wir haben außerhalb vieles probiert: In Cadillac „Big Boy“, in Kalkaskoo „Dairy Queen“, in Milwaukee „Wendys“, in Chicago „Chipotle“ und „Portillos“. Es fehlten: „Krispy Kreme“ und „Steak&Shake“. Von Burgern und Mexikanern haben wir jetzt genug. Alle Deutschen scheinen mit der Heimat dann doch am ersten unser Essen zu verbinden und zu vermissen. Wir haben schon mal Jonas Bestellungen für seine Rückkehr aufgenommen.

What makes the difference:

Ergänzend zu Jonas „101 Macken der Amis“ ist uns folgendes aufgefallen:

Das soziale ehrenamtliche Engagement wird allgegenwärtig eingefordert und wohl auch in größerem Umfang als bei uns erbracht. Geht wohl auch nicht anders bei fehlender sozialer Absicherung. Wahrscheinlich ist es wie in vielen anderen Dingen: Schauen wir nach Amerika, sehen wir, wo wir in unserer Zukunft stehen werden.

Umgekehrt haben die USA einen Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz. Der Verbrauch an Einmalgeschirr ist gigantisch, die Produktion an Eiswürfeln ebenfalls. Wir haben noch nie so viele große, schwere PKW’s gesehen. Es hat sehr lange gedauert, bis wir mal einen kleinen Golf entdeckt haben. Der Benzinpreis ist zwar innerhalb eines Jahres extrem gestiegen und wird zum Umdenken zwingen – aber noch scheint Sparen weder beim Autokauf, noch beim Benzinverbrauch, noch aus umweltpolitischen Gründen ein Thema zu sein.

In Chicago jedenfalls gibt es zum Auto aber auch keine wirkliche Alternative in Form eines gut funktionierenden öffentlichen Personennahverkehrs. Fahrpläne der Züge, Zustand der Bahn, Union Station (siehe Dominiks Bericht) sind katastrophal. Alternativ quält man sich mit dem Auto in die Stadt. Achtspurig mit täglichen Staus … Die finanziellen Belastungen durch den Aufbau eines Nahverkehrsnetzes wären wahrscheinlich das Geringste – das organisatorische Problem eines Aufbaus als Alternative scheint uns größer.

In Sachen des täglichen Umgangs miteinander können wir wiederum lernen: Man ist sehr, sehr höflich. Während mir gerade bei uns negativ auffällt, dass heutzutage kaum noch einer grüßt (Fitness-Studio) oder man im Straßenverkehr sehr unfreundlich miteinander umgeht – haben wir hier erlebt, dass es auch anders geht. Egal ob oberflächlich oder nicht: Höflichkeit ist „Gesellschaftsschmiere“ und macht das Leben angenehmer. Noch nie im Leben habe ich so oft „Sorry“ oder „Excuse me“ oder „How are you doing“ gehört. Schon die Umschreibungen für bestimmte Dinge scheinen den anderen Stil auszudrücken. Jonas hat uns zu Beginn eindringlich gewarnt, nie nach der „toilet“ zu fragen – das ist nämlich hier der „restroom“.

In diesen Tagen werden von Kneipiers bei uns sogar die Bundesrichter in Karlsruhe in Sachen Rauchverbot bemüht. In den USA ist das kein Thema. Raucher treffen sich vor den Lokalen und drinnen ist die Luft rein; keine brennenden Augen, Kopfschmerzen, stinkende Kleider oder Haare. Geht doch! Warum nicht bei uns?

Gleiches gilt für das Tempolimit. Das Fahren war weniger hektisch und aggressiv. Geht doch also auch! Warum nur bei uns nicht?

Summary:

Alles ist größer, weiter, höher, schneller. Die Staaten haben viele Gesichter – wie eigentlich alles in unserer Welt und unserem Leben. Wir waren nur 9 Tage real unterwegs – es sind aber mindestens gefühlte 99!

Zeitweise bin ich mir vorgekommen wie in einem Film oder Traum. Alles war so anders und imposant und die Umstellungsphasen so kurz, dass ich nicht das Gefühl von Wirklichkeit hatte. Es gibt das Beispiel von den Sherpas im Himalaya, die beim Aufstieg auf die Gipfel immer wieder längere Rast machten – nicht aus Müdigkeit, sondern mit dem Argument, warten zu müssen, bis die Seelen nachgekommen sind. So fühlte ich mich oft. Physisch anwesend, aber innerlich nicht ganz da.

Dass der Urlaub so eindrucksvoll war, lag daran, dass wir durch Jonas von zwei außergewöhnlichen Familien aufgenommen wurden. Danke an die Jeambey- und die Johnson-Family. Wir hoffen, wir bekommen irgendwann einmal die Gelegenheit, Euch zu zeigen, wie wir hier leben.

Save the best for last: JONAS

Das Beste von allem war es jedoch, Jonas wieder zu sehen und zu erleben, wie er sich in der Ferne eingerichtet und entwickelt hat. Du hast uns durch das DuPage-College geführt und uns Deinen Arbeitsplatz bei HDI-Gerling gezeigt. Du bist uns in allem vorausgegangen, hast alles perfekt organisiert, warst nie schlecht gelaunt. Du hast alle Verantwortung und das Fahren übernommen und uns so einen total entspannten Urlaub beschert. Mein Amerikabild war geprägt durch viele Filme und die Einflüsse auf unser Leben hier, die ich nicht so gut finde. The-american-Way-of-Life kann ich mittlerweile durch den Besuch sehr viel differenzierter sehen. Wir sind ja lernfähig…

Ich habe gesehen, wie Du dich überall einbringst und dein täglicher timetable ist für mich bedrohlich voll. Die letzten Wochen werden noch hektischer werden. Ich hoffe und wünsche mir sehr für Dich, dass Du danach wieder Ruhephasen für Dich finden wirst, um Deine Mitte nicht zu verlieren.

Ein Bild werde ich ab jetzt immer vor Augen haben: Wir sind anfangs die letzte große Warren-Düne weit hinaufgeklettert. Du bist in der Hitze mit Leichtigkeit voran und warst lange vor uns oben. Das steile Klettern im weichen Sand war extrem beschwerlich. Es wurde leichter für mich, als ich entdeckte, in Deinen Fußspuren zu gehen. Sinnbildlich war das früher umgekehrt. Erst haben wir Dich getragen, dann Du bist in unseren Spuren gelaufen, eine Zeitlang neben uns her und jetzt läufst Du alleine voran. Dann kann nicht allzu viel verkehrt gelaufen sein in unserem Miteinander.

Danke für diese schöne, unvergessliche Zeit miteinander.

Wir freuen uns sehr auf Deine Heimkehr. Bis bald

Mama + Papa

Besuch aus Deutschland

 Gastbericht von Dominik Dausend:

 Wie schnell die Zeit vergeht.... Nachdem wir mitte Oktober 2007 gebucht haben, ging es am 15ten März endlich los. Zuerst flogen nur Leo und ich zu Jonas. Yasmin sollte am darauffolgenden Donnerstag folgen! Der Flug verlief bis auf meinen ausgefallenes Entertainment System, welches mir dann eine Hochstufung in Economy Plus bescherte recht gut! Einen kleinen Zwischenfall gab es dennoch mit dem Zwischensnack von United, der u.a ein Toblerone enthielt, welches ich, aus welchen Gründen auch immer als Sitzunterlage nutzte. Dies roch nicht nur sehr streng nach Schokolade, sondern sah an meiner Jeans noch viel seltsamer aus, als auf dem verdreckten Sitz. Manchmal hab ich das Gefühl solche Dinge passieren immer nur mir. Die  Zeit verging jedoch sprichwörtlich wie im Flug, da zumindest ich noch nie einen Transatlantikflug mitgemacht habe, war es für mich auch ein Abenteuer!

In Chicago O´Hare angekommen hatten Leo und ich dann wohl auch das Glück recht unkomplizierte Zollbeamte zu erwischen, sodass es hier nicht die befürchteten Probleme gab. Ganz lustig fand ich allerdings schon das im Voraus auszufüllende Einreiseformular und hierbei speziell die auf der Rückseite anzukreuzenden Fragen. Über Sinn und Zweck dieser Sache lässt sich sicherlich streiten! Nach der Gepäckausgabe, bei der unser Koffer natürlich als letzter kam, ging es durch eine große Tür und schon sahen wir Jonas. Ich war erst mal erleichtert, als er direkt im tiefsten Dialekt zu reden begann, was er leider nicht lange durchhielt. Auf dem Weg zur Gastfamilie waren Leo und ich natürlich ein wenig aufgeregt, was uns erwarten würde. Bevor es soweit war gingen wir jedoch zuerst noch unser erstes „amerikanisches“-mexikanisches Fast Food essen, dies war in diesem Fall ein Tortilla in einem Restaurant, dessen Name mir leider entfallen ist. (CHIPOTLE Anm. d. Red.) Es war jedoch sehr gut! Auf dem gesamten Weg vom Flughafen bis zur Familie hat sich meine Vorstellung von Amerika tatsächlich fast gänzlich bestätigt! Viele überdimensional große Autos, Häuser, die fast alle gleich aussehen und aus Holz sind, viele Flaggen und Fast Food Restaurants, Wal Mart und große Hallen als Kirchen! Gut gestärkt kamen wir jedenfalls bei Familie Jeambey in Naperville an. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft war nur der Gastvater John und Hund Taylor zuhause!  Der Empfang war super toll, wodurch die Aufregung auch direkt weg war. Ich empfand es schon nach kurzer Zeit so, als ob es ganz normal wäre, das wir da sind und als ob wir einfach dazu gehören würden. Nach einem kurzen Gespräch mit John sind wir dann auch schon los nach Chicago, was mit dem Auto ca. ne dreiviertel Stunde von Naperville, der Stadt in der Jonas und die Jeambeys wohnen weg ist. An diesem Tag war St. Patricks Day, der irische Nationalfeiertag, an dem angeblich jeder Amerikaner ein Ire ist! Daher war  in den Kneipen der Stadt wirklich sehr viel los. Alle Leute liefen in grüner Kleidung durch die Gegend, der ein oder andere auch ganz gut angetrunken. Da in den USA aber wie ich auch während des weiteren Aufenthalts feststellen sollte alle Gesetze auch wirklich eingehalten werden, hatten wir keine Chance in eine Bar zu kommen, da Leo noch nicht das Alter von 21, sondern erst 17 erreicht hat. Das ist etwas, woran man sich in Deutschland sicher ein positives Beispiel nehmen könnte. Hier  meine ich natürlich nicht Alkohol mit 21, sondern wenn mit 16 erlaubt, dann auch bitte wirklich erst ab 16! Da wir nunmal nirgends reinkamen, haben wir wieder den Rückweg nach Naperville angetreten, was wohl auch besser war, weil Leo erkältet und wir beide auch generell von dem langen Flug etwas geschwächt waren! Zuhause angekommen lernten wir dann auch Ruth, unsere super nette Gastmutter und den Sohn John (little John) kennen. Am 2ten Tag gingen wir dann erstmals zum shopping. Wir fuhren in die naheliegende Fox Mall in Aurora und machten dank einer großartigen Idee von Gastbruder John auch noch einen Abstecher zu “Best Buy“, sowas wie der amerikanische Media Markt oder Saturn. In Amerika haben viele Geschäfte auch Sonntags geöffnet, was wieder etwas wäre, wovon wir deutschen lernen könnten.  Nach unserem Mall Besuch entschieden wir uns dann vor allem wegen des guten Wetters nochmals nach Chicago zu fahren und das Observation Deck des Sears Tower zu besichtigen. In Chicago angekommen hatte es sich dort zwar zwischenzeitlich zugezogen, allerdings war ich trotzdem super begeistert vom Ausblick, den man von dort oben hatte. Ich denke jeder sollte so was mal gesehen haben. Der Ausblick auf die Stadt und den riesigen Lake Michigan war einfach toll!

Für Montags war schlechtes Wetter gemeldet und so entschieden Leo und ich uns dazu, einen Museen-Tag einzulegen! Hier besuchten wir das Shed Aquarium in Chicago. Dies ist wie man liest das größte der USA. Es war auch wirklich sehr beeindruckend.  Vor allem das Korallenriff und das Hai-Becken, bei dem die Haie direkt vor einem vorbeischwimmen war echt aufregend. Außerdem haben wir eine Delphin-Show besucht, wo wir allerding eindeutig merkten, was es heißt an einem Wochentag Vormittags ein Museum zu besuchen. Wir waren von hunderten 6-10-jährigen Kindern umringt, die alle bei jeder Bewegung der Delphine im Becken direkt synchron in totale Hysterie ausbrachen. Aber auch das war ganz interessant. Bei dieser Vorstellung lies Opa Leo sich erstmals sein voranschreitendes Alter anmerken, was sich in steigender Trägheit und Lustlosigkeit äußerte! Nach dem Besuch im Shed Aquarium sollte es weitergehen ins nächste Museum, das Field Museum. Das Field Museum ist echt riesig und man sollte sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen, damit man alles sehen kann. Wir haben das leider nicht gemacht! Von den vielen Eindrücken gefesselt liefen wir von Raum zu Raum, wobei sich Leo hier wiederum hauptsächlich von den Sitzmöglichkeiten begeistert zeigte! Ich denke wir haben es höchstens geschafft die Hälfte aller Sachen zu sehen. Es war aber trotzdem sehr interessant. Nun sollte es wieder in Richtung Downtown gehen, wo wir uns mit Jonas zur Rückfahrt trafen!

Am Dienstag machten Leo und ich uns dann auf in die Stadt. Diesmal zum Sightseeing. Wir fuhren morgens mit Jonas mit dem Zug, wo ich mich erst mal über den doch sehr schlechten Zustand der Schienen und später noch viel mehr über den fast schon bedenklichen Zustand des Bahnhofs, der Union Station wunderte! Das ganze scheint fast schon baufällig. Aber schnell ging es weiter in die Innenstadt. Anfangs liefen wir recht planlos umher, was sich aber später besserte. In Chicago, wie wohl generell in den USa muss man sich einfach nur an den Himmelsrichtungen orientieren und mit ein bisschen Glück findet man alles. Gestartet haben wir dann bei einem Frühstück. Da wir an diesem Tag das erste mal mehr oder weniger alleine unterwegs waren, entschieden wir uns nach langem hin und her traditionell für MC Donalds. Wohl weil uns das am unkompliziertesten erschien. Wir sollten schnell feststellen das diese Hoffnung sich nicht erfüllen sollte. Keiner von uns beiden verstand bei Nachfragen der netten Amerikanerin mexikanischer Herkunft auch nur ein Wort. Sie hatte glaub ich auch nichtg wirklich Interesse daran, etwas langsamer zu reden. Irgendwie hat es dann aber doch geklappt und wir hatten unseren Egg MC Muffin, der so garnicht wie der schmeckte, den man aus  Deutschland kennt. Mein Kaffee war ohne alles, obwohl ich ihn mit Zucker wollte, aber Hauptsache ich hatte überhaupt einen.

Außerdem sind wir an diesem Tag neben dem Besuch einiger Kaufhäuser einfach nur herumgelaufen und haben alles ein bisschen auf uns wirken lassen. Die Häuserschluchten, das Heulen der Sirenen, der Chicago River. Wie man es sich eben in einer solchen Stadt vorstellt!

Mittwoch war für Leo und mich dann shopping angesagt. Dies war auch speziell aufgrund des eher mäßigen Wetters an diesem Tag eine ganz gute Idee. Hierzu haben wir das Auto von Jonas bekommen. Wir besuchten insgesamt 2 Malls. In den USA kann man einfach nur richtig toll einkaufen. Jedoch hatten Leo und ich dann doch das ein oder andere Problem beim navigieren, sodass wir ein paar Dollar mehr an den Gebührenautomaten zechen konnten! Bei den Summen, die wir an diesem Tag in den Läden gelassen haben, hat uns das aber nicht wirklich weh getan!

Problemlos funktionierte das Navigieren jedoch nur einen Tag später, als wir Yasmin am Flughafen in Chicago abholen mussten. Da waren wir schon ein bisschen stolz auf uns selbst.

Noch am Tag unseres großen Trips zum Flughafen starteten wir zum nächsten Abenteuer. Gegen 20 Uhr brachen wir auf in Richtung der Niagara-Fälle. Wir traten unsere Reise mit insgesamt 6 Personen im Fahrzeug der Jeambeys an. Unterstützung auf unserer Abenteuer-Tour fanden wir in Maren und ihrer Schwester. Maren nimmt wie Jonas am PPP-Programm teil und arbeitet ebenfalls wie Jonas bei der HDI in Chicago. Wir waren insgesamt fast 14 Stunden nonstop unterwegs, ehe wir die Niagara-Fälle erreichten und noch auf der amerikanischen Seite ein typisch amerikanisches Frühstück zu uns nahmen. Danach machten wir uns gespannt, was uns erwarten würde die letzten Meter zu den Fällen auf. Ich kann einfach nur sagen, das ich absolut begeistert war. Beschreiben kann man sowas glaube ich nicht. Man muss es einfach gesehen habe. Allerdings empfehle ich jedem, sich wenn er zu den Fällen fährt speziell die Kanadische Seite anzusehn. Diese sind noch viel beeindruckender als die amerikanischen. Glück hatten wir  wie den ganzen Urlaub über speziell mit dem Wetter. Während wir nämlich an den Niagara-Fällen waren herrschte zuhause in Chicago Väterchen Frost und bescherte der Stadt einen Schneesturm. Bei uns schien die Sonne jedoch vom blauen Himmel! Wir haben das schlechte Wetter sozusagen hinter uns gelassen!

Nach dem Besuch der Fälle ging es dann weiter Richtung Toronto. Bis nach Toronto waren es noch etwa 2 Stunden und es lohnte sich auf jeden Fall! Dort angekommen war ich allerdings zuerst überrascht, wie ruhig die Stadt ist. Stellenweise herrscht in Homburg glaube ich mehr Verkehr als in dieser Millionenstadt. Bevor wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft machten, starteten wir eine kleine Erkundungstour durch die Stadt.  Später, auf der Suche nach unserer Übernachtungsmöglichkeit wurden wir schnell fündig. Ein kleines, aber feines Motel Namens “Deluxe Inn“ schien uns in jeder Hinsicht nahezu optimal! Bei einigen Personen genießt das Deluxe Inn mittlerweile sogar Kultstatus! Noch am selben Abend besuchten wir ein Lacrosse-Spiel der Toronto Rock!  Die Sportart selbst war zwar sehr interessant, ich selbst hab davon allerdings vorher noch nie etwas gehört. Auch die Show um den Sport war beeindruckend, wäre für mich auf dem heimischen Betzenberg aber unvorstellbar! Dort hats aber gepasst!

Am nächsten Tag besuchten nach einer erholsamen Nacht im Deluxe Inn früh morgens noch das mit 553,34 Metern höchste Gebäude der nördlichen Hemisphäre, den CN-Tower! Hier waren vor allem die Glasböden und die gläßernen Aufzüge sowie logischerweise auch die tollte Aussicht beeindruckend!

Jonas jedoch zeigte sich von den örtlichen Toiletten auf der Aussichtsplattform eher begeistert! So sehr, das es sich jeder ansehen musste. Nach dem Besuch der Toiletten machten wir uns dann mit den weniger interessanten High-Speed Aufzügen auch schon auf den Weg nach unten und danach auf den Rückweg. Hier bewies Jonas Durchhaltevermögen und fuhr tatsächlich die gesamte Strecke zurück! Der 3-Tages Ausflug war im Nachhinein zwar sehr anstrengend, aber sicherlich ebenso unvergesslich!

Wegen der anstrengenden Vortage ließen wir den Ostersonntag etwas gemütlicher angehen. Jonas und ich wollten jedoch unbeding den Ostergottesdienst in der riesigen, aber proppenvollen/ausverkauften (Halle) Kirche. E-Gitarre, Gospel, Show und Witze während der Predigt. Alles Klischees erfüllt. Trotzdem ein Erlebnis! Das ein oder andere würde vielleicht auch den heimischen Gottesdienst etwas aufpeppen! Wieder zuhause angekommen bekamen wir von unserer Gastmutter Ruth unsere Ostergeschenke und es wurden Ostereier gefärbt. Mittags haben wir dann mit der Gastfamilie gegessen! Eben wie zuhause!  Abends ging es dann bei während der Fahrt heißen Auffahrunfall-Diskussionen auf zum bowlen. Die USA wurde durch Ruth und Jackey vertreten. Vor allem Yasmin sollte sich als wahres Naturtalent herausstellen. Leo und ich lieferten uns heiße Duelle, wobei der jüngere meistens das Nachsehen hatte! Jonas und Ruth lagen meistens unangefochten in Führung.

 Montags stand, bevor es für mich nach New York gehen sollte nochmal ein ausgiebiger shopping-Tag an! Auf dem Weg in die entsprechende Mall machten wir noch im Steak&Shake zum Mittagessen halt. Dies hört sich genauso abenteuerlich an, wie es ist. Zum Burger gibt es nämlich riesige Milchshakes. Das Essen und die Shakes waren zwar super, jedoch war mir danach doch schon ziemlich schlecht! Später in der Mall gab man dann wie üblich reichlich Dollars für Kleidung aus. Nach exzessivem shopping ging es direkt zum Flughafen, wo ich für 3 Tage Richtung New York abhob. Hierzu sei nur kurz angemerkt. Die Stadt ist der Wahnsinn, allerdings im Vergleich zu Chicago weniger amerikanisch und rrrrrichtig stressig! Man sollte es aber in jedem Fall mal gesehen haben!

Am Freitag, nach einem etwas turbulenterem Flug wieder gut in Chicago gelandet ging es für mich und Yasmin (Leo hat leider trotz mehrfachen Weckversuchen verschlafen) in die Stadt! Hier zeigte sich Chicago wettertechnisch von seiner besten Seite! Unter anderem fuhren wir mit dem Chicagoer Wassertaxi den Chicago River hinunter, besuchten den Hacock Tower und einige Kaufhäuser! Der Tag war jedoch wie der gesamte Urlaub viel zu schnell vorüber! Am Abend luden Yasmin und ich dann noch unsere Gastfamilie zum Abendessen beim Mexikaner ein! Das Essen war super und wir hatten so die Möglichkeit alle nochmal gemütlich zusammenzusitzen .Jedoch ist es in Amerika eher unüblich, nach dem Essen noch sitzen zu bleiben, was ich etwas schade finde!  

Am letzten Tag, Samstags reiste die Familie Jeambeys dann ab zu ihrem Urlaub. Nach der Verabschiedung, die mir schon etwas schwer fiel, nutzten wir diesen Tag dann zum erledigen letzter Einkäufe bei Wal Mart und Co. Außerdem besuchten wir noch Wendys und natürlich meinen absoluten Favoriten Krispy Kreme! Danach fuhr Jonas uns zum Flughafen, wo wir wieder den Heimweg über den großen Teich Richtung Good old Germany antraten!

Jetzt mit schon etwas Abstand bin ich mir sicher, das ich die Staaten wieder besuchen werde. In welcher Form auch immer! Die ein oder andere Website einer Austauschorganisation hab ich mir schon angesehn! Allerdings bin ich mir mit Jonas in der Hinsicht einig, das ich in diesem Land nicht dauerhaft leben möchte. Dafür fehlt mir einfach „Kultur“, oder wie es Maren ausdrücken würde das „Alte“, was wir hier in Deutschland haben.

Unvergesslich bleiben werden für mich neben allen Sehenswürdigkeiten die Gastfreundlichkeit der Jeambeys, abendliche Gespräche (und Gesänge) mit John und Jonas beim Bier, impulsive shopping mit little John,  die Fast Food-Ketten Krispy Kreme alias Krusty Krunch sowie Wendys und natürlich auch White Castle J. Danken möchte ich auf diesem Weg natürlich Jonas, der das alles möglich gemacht hat. Entschuldigen möchte ich  mich bei ihm wegen der leicht verspäteten Auslieferung meines Berichtes. Er wird sich sicherlich denken: Gott sei Dank, der Dominik ist immer noch der Alte! Ich war froh, festzustellen, das er ebenfalls noch der Alte ist! De Quertreiwer ewe! Ich freu mich, wenn du bald wieder da bist, Jonny!

Have a nice time

Jaaa, er lebt noch...

Hallo in die Runde. Lange habt ihr hier nichts Neues von mir lesen können. Sorry dafür. Allerdings hatte mein Computer, mein Terminplan und meine Lust etwas gegen eine aktuellen Eintrag.

Deshalb jetzt etwas verspätet und etwas verkürzt die letzten Meldungen.

Seit Mitte Februar bin ich nun wieder zurück in Naperville. Endlich. Zwar hat mir die Zeit in DC sehr gut gefallen, dennoch bin ich froh wieder “zu Hause” zu sein. Hier ist doch alles nochmal ein bisschen ruhiger und nicht mehr ganz so aufregend wie in Washington.

Seit 2 Monaten arbeite ich nun auch schon für meinen neuen Arbeitgeber hier in Chicago. Bei der HDI-Gerling America Insurance Company arbeite ich für die Accounting Abteilung. Neunzig Minuten anfahrt zur Arbeit per Auto, Bahn und zu Fuß haben mir vor Antritt meiner neuen Stelle hier doch einige Bauchschmerzen bereitet. Allerdings ist diese Pendelzeit zur Arbeit für Amerikaner durchaus normal und für gar nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte. Zieht man das Positive daraus, habe ich dadurch rund eine Stunde mehr Schlaf pro Tag beim Fahren in der Bahn und mein täglicher Spaziergang zum Büro verschafft mir etwas “Frischluft” und Bewegung. Außerdem, sollte das Wetter dann endlich mal schöner werden, habe ich wohl einen der schönsten Arbeitswege wenn ich hier von der Bahnstation am Chicago River entlang zu meinem Büro laufe.

Apropos Büro. Dieses kann in Sachen Örtlichkeit mit keinem meiner bisherigen Arbeitsplätze vergleichen. Hierzu empfehle ich einfach nochmal die Fotos dazu im entsprechenden link anzuklicken.

Das sind dann soweit die letzten Infos von mir hier. Sonderlich viel wird wohl in den kommenden Monaten hier in Chicago nicht mehr auf mich zukommen. Deshalb werden die künftigen Einträge evtl. auch etwas spärlicher ausfallen als bisher.

Vorankündigen möchte ich allerdings noch den Gastbericht von Dominik, der mich zusammen mit Leo und Yasmin Ende März besuchen kam. Denke mal es kann sich hier auch nur noch um wenige Wochen handeln bis ihr von ihm hier etwas zu lesen bekommt. ;-)

Mardi Gras

Mein drittes Wochenende hier in Washington DC war ein drei Tage Wochenende. Am Montag den 21. Januar war nämlich Martin Luther King Jr. Tag. Das bedeutet in den meisten Staatseinrichtungen und Finanzbehörden einen Tag frei. Da sich so ein verlängertes Wochenende ideal zum Reisen eignet, sind Inga, Jerome und ich dem Lockruf von Brian, der in meinem Büro arbeitet, nach New Orleans gefolgt.

New Orleans ist eine der wenigen Städte die sich von der Einheitsquadratbauweise der sonstigen Standard Amerikanischen Städte unterscheidet. Der Französische und Spanische Einfluss ist in dieser Stadt ist noch immer sehr zu spüren. Und somit war New Orleans schon aus bautechnischen Gesichtpunkten ein Höhepunkt.

Allerdings lässt sich in der Stadt allerdings nicht nur das Bautechnische Europa genießen, sondern auch Veranstaltungstechnisch konnten wir einen Hauch Heimat erleben.
Am 5. Februar findet in New Orleans nämlich „The Mardi Gras“ statt. Eine riesige Karneval/Faschings Feier mit dem größten Karnevals Umzug der USA.
Glücklicherweise wird dieser Hauptumzug schon die Wochen zuvor mit kleineren Umzügen unterschiedlicher Themen angekündigt. Somit konnten wir auch bei einem der ersten Paraden dabei sein und das Faschingsflair von New Orleans genießen.

Zu sagen bleibt noch dass nach dem Hurrikane „Katrina“ immer noch etliche Orte rund um New Orleans dem Erdboden gleich sind. Dem Touristen bleibt dies jedoch meistens verborgen.

Washington DC

Seit drittem Januar bin ich jetzt in der Hauptstadt der Welt, ... ähm .. der USA. Hier verbringe ich sechs Wochen im Rahmen eines Praktikums im Büro der Congresswoman Judy Biggert.

Schon nach wenigen Tagen und erst recht nach der ersten Woche hier lässt sich feststellen, das Washington tatsächlich eine besondere Stadt ist. Von einem Franzosen geplant, spürt man noch heute hier das europäische Flair. Die Stadt ist sehr grün und von riesigen Wolkenkratzern fehlt jede Spur. Da sich in dieser Stadt viel Geschichte verbirgt, habe ich bis jetzt auch jede freie Minute genutzt diese zu erkunden. Das beeindruckende ist, dass ich diese ganzen Monumente und Gebäude bisher nur von Bildern kannte. Jetzt habe ich die Ehre sie im Original zu betrachten oder sogar meinen Arbeitstag in ihnen verbringen.

Allerdings verbirgt sich in dieser Stadt nicht nur viel Geschichte sondern mindestens genauso viel Politik. Und so geht es jemandem hier fast, wie einem Saarbrücker Zeitung Abonnenten der dazu den Saarländischen Rundfunk hört. Man bekommt das berichtet was die Berichterstatter für wichtig halten. Bekommt man im Saarland den FCS aufgeschwatzt, sind es hier Hillary’s Tränen und Giuliani’s Frauen die den Leser/Hörer interessieren zu haben! Alles eigentlich eher nur Dinge für Minderheiten. Aber was soll’s. Man muss sich dann eben seine Quellen aussuchen und aus all dem Wust von Informationsmüll das Wesentliche herausfiltern. Ab und zu bekommt man dann auch interessante Veranstaltungen mit. Und so konnte ich schon zwei Diskussionen, einmal mit der Ex US Außenministerin Madeleine Albright und eine andere mit Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, beiwohnen

Basispolitik, fernab von Hilary’s Tränen und Obama’s Charme, gibt es täglich im Büro meiner Congress Abgeordneten. Hier gehört es zu meinen Aufgaben Anrufe von besorgten Wählern entgegenzunehmen und Wählerbriefe zu lesen und zu beantworten. Das ist teilweise sehr interessant, weil man hier so richtig mitbekommt, was die Leute hier bewegt und das spiegelt nicht unbedingt das wieder, was von der US Regierung das Außen publiziert wird. Ab morgen tagt das „House“ wieder und ich hoffe, dass sich dann mein Aufgabenfeld noch etwas erweitern wird.

Ich bin auf jeden Fall sehr froh im Büro einer Republikaner Abgeordneten arbeiten zu dürfen. Bis jetzt hatte ich nur bei Demokraten gewohnt, bin von Demokraten unterrichtet worden und hatte Freunde die die „Demons“ favorisieren. Das erzkonservative Bild, dass ich von den Republikaner bis vor einer Woche hatte, konnte sich nämlich nicht bestätigen. Die Leute in meinem Office scheinen teilweise Liberaler zu sein als man es erwarten könnte.

Das war jetzt mal eine Grobe Beschreibung von meiner ersten Woche hier. Weiter Infos folgen.

Jamaica - No Problem

Für Marco und mich hieß es also auf nach Jamaika. Schon seit langem hegte ich den Wunsch einmal diese Insel zu besuchen. Die schöne Landschaft und die gute Reggae Musik reizten mich sehr. Von beidem wurde ich auch nicht enttäuscht. Und so ließ sich das neue Jahr bei 28° C im Schatten gut beginnen.

Die Lebensweise der Jamaikaner ist für den Durchschnittseuropäer aber wohl doch sehr gewöhnungsbedürftig. So dass das überall auf der Insel dargestellte Motto „Jamaika – No Problem“ für mich und meinen Mitreisenden anfangs überhaupt nicht, später aber - nach dem Einsatz von einigem Gehirnschmalz -  umso mehr einleuchtend war.

Kurz nach meiner Ankunft am Flughafen in Montego Bay hieß es für mich nämlich schon: „Oh No! Problem!“ Denn mein Gepäck ging auf dem Weg nach Jamaika irgendwie verloren. Soll heißen, ich musste mich drei Tagen lang mit meinen Chicagoer Winterklamotten bei Sommer, Sonne, Sonnenschein zufrieden geben. Ich denke Marco und ich waren gleichermaßen froh als dann endlich mein Koffer am Hotel abgeliefert wurde.

Die zweite und mir auch schlüssigste Interpretation des Jamaika Mottos ist allerdings, dass das Wort „No“ in Jamaika ein Problem ist und vor allem den in Negril tätigen Menschen weitestgehend unbekannt ist. Denn ein simples „No“ war so gut wie nie ausreichend um den Gewerbetreibenden dort zu erklären, dass man weder Lust auf eine Jetski-Tour hat noch einen Joint, geschweige körperliche Liebe erwerben möchte. Und so wurde mancher Strandspaziergang zu einer Herausforderung an das Nervenkostüm von uns beiden.

Allerdings möchte ich jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass ich aus Jamaika nur negative Erfahrungen mitbringe. Das Gegenteil ist der Fall und die Fotos sollten jeden davon überzeugen.